Donnerstag, 23. Mai 2013

Dubai... Boah!

Ich hatte bei der Planung überlegt, ob ich Dubai nicht vielleicht überspringen sollte: Heiß, seelenlos, teuer, lohnt sich bestimmt nicht. Aber ich bin froh doch hier einen Stop eingelegt zu haben.

Ok, heiß ist es wirklich, draußen bin ich eigentlich konstant am schwitzen, aber Ubahn, öffentliche Gebäude und mein Appartement sind gut klimatisiert. Und ich muss sagen dass mir 38 Grad und Sonne in Dubai immer noch lieber sind als 3 Grad und Nieselregen in Deutschland.

Teuer... kommt drauf an. Unterkunft ist teurer als woanders, einfach deswegen weil es hier keine Hostels gibt. Ist eben nicht das typische Backpackerziel. Und Hotels fangen ab 70 Euro pro Nacht an, was aber eigentlich auch normal ist. Ich hab aber über airbnb.com ein privat vermietetes Apartment für 39 Euro/Nacht gefunden. Essen und öffentlicher Verkehr dagegen sind günstig: Gestern war ich in einem recht guten indischen Restaurant, also keine schmutzige Hinterhofküche wie einmal in Istanbul, essen, es war lecker und genug und ich hab inkl Getränke 6,60 Euro bezahlt. Eine Überquerung des Flusses der Dubai teilt mit einem typischen "Abra"-Boot kostet 20 Cent, und Ubahn quer durch Dubai 1,30 Euro. In der Ubahn nur aufpassen dass man nicht ins Frauenabteil einsteigt, sonst wird man angemeckert ;-)
Die Museen sind auch günstig, und in dem einen, einem restaurierten traditionellen Haus, kann man sogar im Innenhof sitzen und bekommt kostenlos Bohnensuppe und Tee :-)
Damit sind wir auch schon beim Punkt seelenlos: Ich hätte gedacht Dubai besteht nur aus Hochhäusern, und in großen Bereichen stimmt das auch, aber in der Altstadt, da wo ich und die Gastarbeiter aus Indien und Pakistan wohnen, sieht es ganz anders aus. Wer mich kennt, weiß dass ich bei mitteleuropäischen Stadtbesichtigungen oft meckern "Die sehen doch alle gleich aus", und das galt - für mich - auch für New York und teilweise Tokio, aber Dubai ist eindeutig nicht mehr wie Frankfurt: Eher niedrige Häuser,  kleine Geschäfte, sortiert in Straßen wie in Istanbul. Und Dubai gibt sich wirklich Mühe, in Erinnerung zu behalten wie es früher hier aussah: Mit den Museen und erhaltenen oder restaurierten Stadtvierteln im alten arabischen Stil, inklusive verkleideter Händler und traditioneller Handwerker. Hat zwar auch was von Disney World, aber besser als alles abzureissen und durch generische Hochhäuser zu ersetzen.
Naja, und dann gibt es noch so Dinger wie das nachgebaute Oasendorf (in der Nähe des legendären "7-Sterne Hotels" Burj Al Arab) inklusive "Markt" mit Luxusartikeln und Touristenscheiß, dutzenden Restaurants und Luxushotel. Albern,  aber irgendwie auch faszinierend und schön.

Teurer ist dagegen das Zeug, das speziell auf Touris mit zuviel Geld ausgelegt ist: Ich war gestern in der Mall of Dubai, der größten Mall der Welt. Inklusive begehbarem Aquarium, Indoorschlittschuhbahn und nachgemachtem Goldmarkt mit echtem Gold. Und da wirds dann (etwas) teurer: Im Tunnel durch das Aquarium gehen kostet 16 Euro,  Schlittschuhlaufen 12, und ein Kaffee in einem Restaurant in der Mall schon mal 5 Euro (ok, dass zahlt man in Deutschland bei Starbucks auch, aber in anderen Gegenden von Dubai kostet der 40 cent).

Vor der Mall of Dubai steht das aber das Highlight, das Wahrzeichen, der Höhepunkt... (Trommelwirbel)... der Burj Khalifa, das höchste Gebäude der Welt! Das Ding ist der Wahnsinn! Als ich ihn das erste mal gesehen hab, hab ich Gänsehaut bekommen. Man legt den Kopf in den Nacken und schaut immer höher und er hört einfach nicht auf. In dem Bild das ich gemacht hab, sieht man ganz gut die Proportionen von den Hochhäusern die daneben stehen zu seinem Sockel, und die sind auch nicht klein, Frankfurt-Grösse würde ich mal sagen.
Achso, und zwischen Mall of Dubai und Burj Khalifa befindet sich übrigens noch der größte bewegliche Springbrunnen der Welt, der 150 m hohe Fontänen sprühen kann, und mit Hintergrundmusik eine ziemlich gute Show macht. Aber das nur so nebenbei ;-)

Das einzige was in Dubai zumindest teilweise echt zu sein scheint, weil das auch die Gastarbeiter (die 85 Prozent der Bevölkerung ausmachen) mittragen, ist die Religiösität. Heute war Freitag, und während des Hauptgebets war ich draußen unterwegs. Es war faszinierend zu sehen wie ganze Straßen blockiert waren,  weil alle mit Gebetsteppichen aus Häusern und Geschäften kamen, sich in Reih und Glied auf die Straße gekniet und gebetet haben. Andererseits sind die Moscheen hier viel weniger präsent als ins Istanbul, Muahezzins hört man nur selten singen, und Frauen mit Kopftüchern gibt es auch nicht viele, aber das ist ja auch eher ne kulturelle als religiöse Sache.

Insgesamt hab ich mit Dubai gemischte Gefühle. Einerseits fühlen sich selbst die "authentischen" Sachen künstlich an, andererseits kommt man aus dem Stauen nicht mehr raus. Es ist auch ein seltsames Gefühl in einer Stadt, die nur aus Touristen und Gastarbeitern zu bestehen scheint. Ich stand heute in der Ubahn, als einziger Blonder zwischen lauter Indern, Chinesen, Philippinern und Afrikanern und hab mich mit ihnen verbunden gefühlt, weil ich mir gedacht hab: Die sind hier genau so wenig zuhause wie ich. 

2 Kommentare:

  1. Wow - die Größe ist echt beeindruckend! Nebenbei angemerkt, in Deutschland nieselt es nicht - es SCHÜTTET!

    Viele Grüße, Sebastian.

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  2. Coole Berichte, es macht großen Spaß sie zu lesen! Weiter so - fast so gut eine helmet cam mit live stream:) Egor

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