So! Ich bin ja grade auf der Farm in Matapouri, Northland, und es ist ganz nett hier. Meine Arbeit besteht groesstenteils aus Loecher buddeln, Baeume pflanzen, Holz hacken, Zeug tragen. Die Landschaft haut einen nicht vom Hocker, und es ist ziemlich regnerisch. Und es gibt keinen Handyempfang (den ich eigentlich auch nicht wirklich brauchen wuerde). Dafuer gibt es, was man ja beim wwoofen nicht unbedingt erwarten kann, Strom, heisses Wasser (falls der Kamin brennt) und sogar Internet, wenn auch nur von diesem PC und nicht mit WLAN, weil das ist ja boese Strahlung, ne? Ausserdem, und das gibts bei vielen Farmen auch nicht, gibt es sehr oft Fleisch zu essen, und zwar haeufig "selbstgemacht". Womit wir beim heutigen Hauptthema waeren: Fischen, Jagen, Toeten und Schlachten!
Diese Farm hatte, und das war einer der Gruende warum ich mich beworben hatte, in ihrem Beschreibung beschrieben dass zu ihren Aktivitaeten auch Angeln und Jagen gehoert. Da ich ja nicht wegen billiger Unterkunft, sondern um Erfahrungen zu sammeln wwoofe, hatte ich gehofft so was auch mal zu lernen. In Deutschland braucht man dafuer ja 10 Lizenzen, 20 Kurse und ein polizeiliches Fuehrungszeugnis.
Und schon am dritten Abend sind wir nachts mit Gewehr in den Wald gegangen, um "Possums" (sprachliche Anmerkung: Die heissen auf Englisch possum, sind aber nicht das gleiche wie das deutsche Opossum, sondern heissen auf deutsch Fuchskusu) zu suchen. Ich hatte schon mehrmals gehoert dass die hier eine Landplage waeren. 1850 aus Australien eingefuehrt um den Pelzhandel anzukurbeln, aber mangels Feinde haben sie sich zu stark vermehrt und fressen jetzt die Kiwis (die Voegel, nicht die Fruechte) und Baeume weg. Die Regierung spornt die Bevoelkerung an, ihnen den Garaus zu machen, und sogar Umweltschutzorganisationen wollen dass sie ausgerottet werden. Man muss also kein schlechtes Gewissen haben.
Leider waren die Berichte ueber die wahnsinnige Ausbreitung wohl uebertrieben, zumindest haben wir in 2 Stunden durch den Wald laufen kein einziges gesehen. Schade.
Naja, dafuer sind wir am naechsten Tag Angeln gegangen, was ich auch noch nie gemacht hatte, und Fische gab es nun wirklich in Huelle und Fuelle. Ich dachte immer Angeln waere ziemlich langweilig und man brauchte Geduld dazu, aber wir haben zu fuenft in 45 Minuten 12 Fische gefangen! Und ich zwei Snapper! Juhuu! Selbstgefangenes Essen! Sieg des Menschen ueber die Natur! Natuerlich wollte ich auch stolz ein Foto von meinem ersten selbstgefangenen Fisch machen, als... meine Kamera genau dabei gluckernd in eine Pfuetze gefallen ist: kaputt. Hm. Schlechtes Karma, was? Rache der Natur? 2 Fische gegen eine 370 Euro Kamera war dann doch kein so guter Tausch :/ Falls die Fotos die ich hier noch hochlade also scheisse aussehen, liegt das daran dass ich jetzt nur noch meine Handykamera hab.
Naja, trotzdem: Ich hab dann kurz darauf meinen ersten Fisch getoetet (Messer von hinten durch die Kiemen ins Gehirn rammen) und ausgenommen. Und lecker war er zumindest.
Und wer jetzt denkt, das war das blutige, haha, nein! Wir sind naemlich noch mal jagen gegangen! Und diesmal haben wir massenweise Possums gefunden.
Wobei Jagen nicht so der richtige Ausdruck ist, das weckt so Assoziationen von schleichen und Spuren suchen. "Pfluecken" trifft es eher: Man stellt sich unter einen Baum und macht Laerm. Das Possum schaut neugierig nach unten, man sieht die Reflexion seiner Stirnlampe in seinen Augen, und dann schiesst man ihm dazwischen. Es macht plopp, das Possum faellt runter, und statt dass seine Kollegen im gleichen Baum abhauen wuerden, sind sie jetzt erst recht neugierig und gucken dich an... Ich versteh nicht wie so daemliche Tiere sich so fortpflanzen konnten.
Zur Illustration hier ein suesses Foto eines Possums:
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| Possum (vorher) |
Wobei die Dinger nicht so klein sind wie es auf dem Foto aussieht, eher Katzengroesse. Und ziemlich schwer, 7 Stueck davon (und ein Hase) waren ein ganz schoenes Gewicht im Rucksack. Und mit dem Abschiessen ist es leider meistens noch nicht sofort tot, sondern man muss ihnen dann noch mit nem harten Gegenstand den Schaedel einschlagen. Hm. Nicht schoen, aber man will ja auch nicht dass sie lange unnoetig leiden.
Die Possums wurden dann gerupft, und von einem das ich geschossen hab, hab ich die Haut abgezogen und versuche jetzt das Fell zu konservieren. Mal sehen ob das was wird.
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| Possum (Zwischenschritt) |
Der Rest vom Possum wird auch noch weiter verarbeitet: die Arme und Beine hatten wir heute zum Abendessen, der Rest wird Duenger. Man kann also zumindest nicht behaupten dass sie umsonst gestorben sind.
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| Possum (nachher) |
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| Possums ohne Beine: Duenger |
So, und um den Eintrag ein bisschen versoehnlicher abzuschliessen, gibts noch ein paar froehlichere Fotos von Ziegen und Huehnern:
P.S.: Mal im Ernst: Nicht dass ich jetzt den Eindruck bei euch wecke, ich waere ein psychopatischer Tierquaeler, der es geniesst Tiere zu toeten. Ich fand es ziemlich unangenehm, die angeschossenen Possums und die Fische auf dem Trockenen leiden zu sehen. Und deswegen habe ich mich beeilt, sie danach schnell zu toeten. Ich habe allerdings auch kein schlechtes Gewissen dabei, ein Tier, das ein schoenes Leben in seiner natuerlichen Umgebungen hatte, schnell und relativ schmerzfrei zu toeten. Wenn ich selber so sterben werde wie diese Possums und Fische, statt lange zu leiden, dann bin ich froh und dankbar dafuer.






























