Freitag, 30. August 2013

Mord und Totschlag auf dem Lande

Erstmal ne Warnung: Der heutige Eintrag wird blutig. Militante Vegetarier bitte nicht weiterlesen.

So! Ich bin ja grade auf der Farm in Matapouri, Northland, und es ist ganz nett hier. Meine Arbeit besteht groesstenteils aus Loecher buddeln, Baeume pflanzen, Holz hacken, Zeug tragen. Die Landschaft haut einen nicht vom Hocker, und es ist ziemlich regnerisch. Und es gibt keinen Handyempfang (den ich eigentlich auch nicht wirklich brauchen wuerde). Dafuer gibt es, was man ja beim wwoofen nicht unbedingt erwarten kann, Strom, heisses Wasser (falls der Kamin brennt) und sogar Internet, wenn auch nur von diesem PC und nicht mit WLAN, weil das ist ja boese Strahlung, ne?  Ausserdem, und das gibts bei vielen Farmen auch nicht, gibt es sehr oft Fleisch zu essen, und zwar haeufig "selbstgemacht". Womit wir beim heutigen Hauptthema waeren: Fischen, Jagen, Toeten und Schlachten!
Diese Farm hatte, und das war einer der Gruende warum ich mich beworben hatte, in ihrem Beschreibung beschrieben dass zu ihren Aktivitaeten auch Angeln und Jagen gehoert. Da ich ja nicht wegen billiger Unterkunft, sondern um Erfahrungen zu sammeln wwoofe, hatte ich gehofft so was auch mal zu lernen. In Deutschland braucht man dafuer ja 10 Lizenzen, 20 Kurse und ein polizeiliches Fuehrungszeugnis.
Und schon am dritten Abend sind wir nachts mit Gewehr in den Wald gegangen, um "Possums" (sprachliche Anmerkung: Die heissen auf Englisch possum, sind aber nicht das gleiche wie das deutsche Opossum, sondern heissen auf deutsch Fuchskusu) zu suchen. Ich hatte schon mehrmals gehoert dass die hier eine Landplage waeren. 1850 aus Australien eingefuehrt um den Pelzhandel anzukurbeln, aber mangels Feinde haben sie sich zu stark vermehrt und fressen jetzt die Kiwis (die Voegel, nicht die Fruechte) und Baeume weg. Die Regierung spornt die Bevoelkerung an, ihnen den Garaus zu machen, und sogar Umweltschutzorganisationen wollen dass sie ausgerottet werden. Man muss also kein schlechtes Gewissen haben.
Leider waren die Berichte ueber die wahnsinnige Ausbreitung wohl uebertrieben, zumindest haben wir in 2 Stunden durch den Wald laufen kein einziges gesehen. Schade.
Naja, dafuer sind wir am naechsten Tag Angeln gegangen, was ich auch noch nie gemacht hatte, und Fische gab es nun wirklich in Huelle und Fuelle. Ich dachte immer Angeln waere ziemlich langweilig und man brauchte Geduld dazu, aber wir haben zu fuenft in 45 Minuten 12 Fische gefangen! Und ich zwei Snapper! Juhuu! Selbstgefangenes Essen! Sieg des Menschen ueber die Natur! Natuerlich wollte ich auch stolz ein Foto von meinem ersten selbstgefangenen Fisch machen, als... meine Kamera genau dabei gluckernd in eine Pfuetze gefallen ist: kaputt. Hm. Schlechtes Karma, was? Rache der Natur? 2 Fische gegen eine 370 Euro Kamera war dann doch kein so guter Tausch :/ Falls die Fotos die ich hier noch hochlade also scheisse aussehen, liegt das daran dass ich jetzt nur noch meine Handykamera hab.



Naja, trotzdem: Ich hab dann kurz darauf meinen ersten Fisch getoetet (Messer von hinten durch die Kiemen ins Gehirn rammen) und ausgenommen. Und lecker war er zumindest.

Und wer jetzt denkt, das war das blutige, haha, nein! Wir sind naemlich noch mal jagen gegangen! Und diesmal haben wir massenweise Possums gefunden.
Wobei Jagen nicht so der richtige Ausdruck ist, das weckt so Assoziationen von schleichen und Spuren suchen. "Pfluecken" trifft es eher: Man stellt sich unter einen Baum und macht Laerm. Das Possum schaut neugierig nach unten, man sieht die Reflexion seiner Stirnlampe in seinen Augen, und dann schiesst man ihm dazwischen. Es macht plopp, das Possum faellt runter, und statt dass seine Kollegen im gleichen Baum abhauen wuerden, sind sie jetzt erst recht neugierig und gucken dich an... Ich versteh nicht wie so daemliche Tiere sich so fortpflanzen konnten.
Zur Illustration hier ein suesses Foto eines Possums:

Possum (vorher)

Wobei die Dinger nicht so klein sind wie es auf dem Foto aussieht, eher Katzengroesse. Und ziemlich schwer, 7 Stueck davon (und ein Hase) waren ein ganz schoenes Gewicht im Rucksack. Und mit dem Abschiessen ist es leider meistens noch nicht sofort tot, sondern man muss ihnen dann noch mit nem harten Gegenstand den Schaedel einschlagen. Hm. Nicht schoen, aber man will ja auch nicht dass sie lange unnoetig leiden.
Die Possums wurden dann gerupft, und von einem das ich geschossen hab, hab ich die Haut abgezogen und versuche jetzt das Fell zu konservieren. Mal sehen ob das was wird.

Possum (Zwischenschritt)

Der Rest vom Possum wird auch noch weiter verarbeitet: die Arme und Beine hatten wir heute zum Abendessen, der Rest wird Duenger. Man kann also zumindest nicht behaupten dass sie umsonst gestorben sind.
Possum (nachher)

Possums ohne Beine: Duenger
Achso, und eine Gans geschlachtet hab ich auch noch.

So, und um den Eintrag ein bisschen versoehnlicher abzuschliessen, gibts noch ein paar froehlichere Fotos von Ziegen und Huehnern:





P.S.: Mal im Ernst: Nicht dass ich jetzt den Eindruck bei euch wecke, ich waere ein psychopatischer Tierquaeler, der es geniesst Tiere zu toeten. Ich fand es ziemlich unangenehm, die angeschossenen Possums und die Fische auf dem Trockenen leiden zu sehen. Und deswegen habe ich mich beeilt, sie danach schnell zu toeten. Ich habe allerdings auch kein schlechtes Gewissen dabei, ein Tier, das ein schoenes Leben in seiner natuerlichen Umgebungen hatte, schnell und relativ schmerzfrei zu toeten. Wenn ich selber so sterben werde wie diese Possums und Fische, statt lange zu leiden, dann bin ich froh und dankbar dafuer.

Mittwoch, 21. August 2013

Das Gras ist gruener auf der anderen Seite

...der Welt. Ernsthaft. Ich weiss nicht woran es liegt, ob die Luft hier klarer ist oder ob die Neuseelaender ihr Gras mit Neon-Eddings anmalen, alles sieht einfach gruener, leuchtender aus. Ich fahre durch die sanften Huegel von Northland, und stammele vor mich hin vor Begeisterung wie schoen es aussieht. Leider kann ich es nicht so wirklich mit der Kamera einfangen.






Mein Auto wird langsam aber sicher zu meiner fahrenden Wohnung: Ich hab abnehmbare Gardinen eingebaut, eine Matratze gekauft, einen Hebel eingebaut, um den Kofferraum von innen zu oeffnen (warum gabs das nicht standardmaessig???), und auch schon eine Testnacht (vor dem Hostel) drin verbracht: Ueberraschend warm und gemuetlich. (Fotos folgen)

Ansonsten bin ich jetzt von meiner ersten Arbeitsstelle weitergefahren. Ich hatte eine nette Zeit da, hab die Leute und den Whirlpool und die Aussicht genossen, Brot backen gelernt, hab mich in die neuseelaendische Kultur integriert indem ich im Pub zwischen Fischern und Bauern Rugby geguckt hab, aber nach 2 Wochen staubsaugen und Betten bauen hats mir dann doch gereicht. Ich will ja auch was von Neuseeland sehen. Also hab ich mich auf dem Weg - mit Zwischenstops - zur naechsten Arbeitsstelle - einer Farm, fuer echtes Wwoofen - gemacht.




Unterwegs hab ich Kauris, die zweitgroessten Baeume (nach den kalifornischen Mammutbaeumen) der Welt besichtigt. Die Dinger sind wirklich beeindruckend, ich konnte mich kaum daran sattsehen. Tane Matua Ngahere, der breiteste von allen, hat einen Stammumfang von 16,41 m, allerdings hatte mein Reisefuehrer geschrieben dass es eine Baumstumpf von einem gefaellten Kauri gibt, der noch breiter war. Also bin ich eine Stunde Umweg gefahren um mir das Ding anzugucken, und... komplett ueberwuchert und kaum noch zu erkennen. Pfui! Buh! Rasenmaeher! Also: Lebende Kauris: grossartig, Kauristumpf: enttaeuschend.




Abends hab eine Nacht in Hokianga Harbour verbracht: goettliche Aussichten auf die Bucht und die gegenueberliegenden Sandduenen, huebscher Strand und hab von da aus fuer 2 Tage Anna-Lena, eine der angeblich Millionen Deutschen hier (ich hab noch nicht so viele getroffen), mitgenommen.



 In der naechsten Nacht wollte ich, so war zumindest der Plan, nachts auf einem "Top 10"-Campingplatz/Hostel mitten im Wald uebernachten, weil die laut Homepage und Reisefuehrer jede Nacht Kiwi-Beobachtungstouren im Wald veranstalten. Tja, denkste. "Ne, nicht genug Gaeste, keine Voranmeldung, mememe". Und dann hat unser Zimmer noch nach etwas gerochen was der Platzwart als Zigarettenrauch, ich eher als Tigerurin eingeordnet haette (wir haben aber ein anderes Zimmer bekommen), alles war kalt, der TV kaputt, die Kueche ungemuetlich, und das ganze noch teurer als in nem normalen Hostel... aber ich war einfach zu faul um in die naechste Stadt weiterzufahren. Also war ich abends nach dem eigentlich tollen Tag doch noch schlecht gelaunt, bis ich mir gedacht hab: Scheiss drauf, dann geh ich eben alleine nachts in den Wald. Was soll schon passieren, hier gibts ja eh nur Voegel, und die sind auch noch meistens zu degeneriert zum fliegen. Und was soll ich sagen: Ich hab 3 Kiwis gesehen! Ha! Sogar die meisten Neuseelaender haben noch keine zu sehen bekommen!



Nur seltsam, dass ich immer noch keine Opossums gesehen hab, die sind hier doch so eine Plage. Aber auf meiner aktuellen Farm werden die gejagt und sogar gegessen... ich bin gespannt!

Sonntag, 11. August 2013

Neuseeland!

Ich bin angekommen! Und hab Zugang zu nem PC, an dem ich Blogposts verfassen kann.
Es fehlt zwar ein kompletter Monat Indonesien seit dem letzten Eintrag, aber das werde ich nach und nach nachholen. Jetzt erstmal zum aktuellen Stand:
Am 29.7. bin ich von Bali aus nach einem Zwischenstop in Sidney in Auckland angekommen. Und hab zum ersten Mal seit langer Zeit wieder einen Pulli und meine Jacke gebraucht. Am ersten Tag fand ich das sogar eine angenehme Abwechslung und den Geruch von Winter genossen, aber nach 3 Tagen Kälte (ich schätze mal 5 bis 10 Grad?) hats mir dann auch wieder gereicht. Auch wenn es schön war mal wieder in einer "westlichen" Stadt mit intakten Bürgersteigen und Verkehrsregeln und Museen zu sein. Außerdem hat sich meine Freude etwas relativiert, als ich die Preise gesehen hab: Eine Dose Cola im Supermarkt 2 Euro, Milch 1,50 pro Liter, ein Döner 7 Euro... das ist besonders grausam, wenn man vorher fast 3 Monate in Asien verbracht hat, wo alles so billig ist, dass man sich gar keine Gedanken um Geld machen muß. Naja, das ist eben der Preis der Zivilisation. Und zumindest Benzin und Rindfleisch ist hier günstiger, und was braucht ein echter Mann schon mehr? ;-)
Insgesamt war es zwar ganz nett in Auckland, aber nach Einkaufen, bürokratischem Zeug, 2 Museen und der Besteigung eines erloschenen Vulkans mit Ausblick auf die Stadt gab es eigentlich schon nicht mehr so viel zu tun. Und ich bin ja nicht nach Neuseeland gekommen um mir Großstädte anzugucken. 


Deswegen bin ich nach 4 Tagen in den Norden geflüchtet, in den sogenannten "winterless north", genauer gesagt nach Whangaroa. Ein winziges Kaff mit etwa 100 Einwohnern am Arsch der Welt (der nächste Ort mit über 5000 Einwohnern ist 80 km entfernt), aber wunderschön gelegen an einer Bucht mit spektakulärer Aussicht von den Bergen dahinter und tollen Wandergebieten. Hier arbeite ich jetzt seit einer Woche in einem Hostel/Lodge als Zimmermädchen und Gärtner für kostenlose Unterkunft und freie Benutzung des hoteleigenen Whirlpools und Kayaks. Und demnächst werde ich mich im Angeln versuchen, und eine von den Wachteln, die hier im Garten rumlaufen, werd ich auch noch irgendwie fangen und grillen ;-)
Ich hab noch ein schottisches Pärchen als Kollegen, und lustigerweise ist sogar die Managerin des Hostels eine Backpackerin aus Frankreich. Ich hab das Gefühl die Neuseeländer lassen die Touristen ihre ganze Arbeit machen und wandern währenddessen in ihrem Land rum :-D
Ich hab auch schon mehrere Wanderausflüge ins Hinterland gemacht, und es ist wirklich wunderschön! Ich erwische mich immer wieder dabei wie ich ein kleines Mädchen vor Entzücken quitsche: "Oh mein Gott! Ist das alles schön und grün hier!" Man hat hier eine tolle Abwechslung zwischen exotischen Wäldern aus Farnpalmen, Felsen zum Erklettern, grünen sanften Hügeln mit Kühen und gleich dahinter Stränden oder schroffen Klippen.
Und natürlich das Wetter: Ich möchte nochmal betonen, hier ist es grade mitten im Winter. Trotzdem war ich grade 3 Stunden im T-Shirt wandern! Also von der Natur bin ich schon mal begeistert, und das obwohl alle Leute sagen dass die Südinsel die schönere der beiden ist.
Und von den Menschen übrigens auch: Ähnlich wie in Sri Lanka sind hier fast alle freundlich, grüßen und lächeln, und machen immer mal wieder kurzen Smalltalk mit vollkommenen Fremden wie mir und geben z.B. Tipps, was man besichtigen sollte. Anders als in Sri Lanka wollen sie einem dann sogar nicht im zweiten Satz was verkaufen. 


 





Und nun, meine Damen und Herren, das Highlight (Trommelwirbel): Ich hab ein Auto gekauft! Ich hatte schon vorher mit dem Gedanken gespielt, weil das Land ja schon recht dünn besiedelt ist und das Netz der öffentlichen Verkehrsmittel (die auch nicht günstig sind) deswegen nicht sehr dicht. Und schließlich will ich nicht in den großen Städten bleiben, sondern abgelegene Naturwunder besichtigen. Trotzdem war ich noch am rum überlegen, ob ich wirklich ein Auto brauche, als eine deutsche Backpackerin hier im Hostel vorbeikam, die mir in 2 Wochen heim fliegt und mir ihr Auto zu einem Spottpreis von 850 Euro verkauft hat (zumindest sofern ich nicht demnächst entdecke, dass sie mir einen wichtigen Mangel verschwiegen hat...). Jetzt bin ich komplett unabhängig, und es ist sogar groß genug um im Kofferraum+umgeklappte Rückbank zu schlafen!