Montag, 2. Dezember 2013

Regenwald, Hippies und wehrhafte Kängurus

Aaahh! Endlich wieder Natur! Endlich raus aus den Hochhäusern! Endlich wieder Waldwanderungen! Leider auch wieder Nomadenleben, aber man kann nicht alles haben.
Seit zwei Wochen bin ich jetzt mit Mathieu aus Bordeaux unterwegs in Australien. Er hatte sich glücklicherweise kurz vorher ein Auto mit kompletter Backpackerausrüstung gekauft und jemanden zum Mitreisen gesucht. So hab ich mir dann Zelt, Schlafsack und sogar Schwimmflossen erschnorrt ;)
Erstmal sind wir nach Norden gefahren, um uns Fraser Island anzugucken. Liegt auf der australischen Karte praktisch direkt über Brisbane, also nur knapp 400 km weit weg... Entfernungen sind hier eben in einer ganz anderen Größenordnung. Schild auf der Autobahn: "McCafe: 163 km, to the right". Immerhin ist das Benzin billiger.
Nach mehreren Tagen, mit Zwischenstops in Nationalparks und Nächten auf Campingplätzen, Dorfsportplätzen oder auch einfach nur auf Autobahnraststätten (was angenehmer klingt als es ist. Zumindest fand ich die vorbeirauschenden LKWs weniger nervig als den Hahn auf dem Öko-Campingplatz, der um 02:40 angefangen hat zu krähen, und erst ne Weile ruhig war als ich mit meinen Schuh nach ihm gehauen hab. Zur Rache hab ich am nächsten Tag das Familienmenü bei KFC bestellt, hehehe) kamen wir dann auch an und haben 100 Euro für eine Tagestour bezahlt... Also naja. War schon ganz nett, aber ich hatte bei der Beschreibung "größte Sandinsel der Welt" irgendwie mehr... Sand erwartet. Riesige Dünen, Wüstenfeeling, so was. Stattdessen ist - "Das Leben findet einen Weg" - fast die komplette Insel mit Wald bewachsen, der exakt so aussieht wie der auf dem Festland, nur halt mit Sandboden. Etwas enttäuschend. Andererseits gabs ein Schiffswrack und Dingos zu sehen, einen kristallklaren See und einen Bach auf dem wir auf einem Reifen entlanggetrieben sind. Trotzdem meine Empfehlung: Muss man nicht machen, insbesondere nicht für den Preis.





Auch nicht so super fand ich die Delphinfütterung in Tin Can Bay, bei der zwei Delphine träge und leblos am Strand liegen und darauf warten von den Schlange stehenden Touristen einen Fisch (10 Dollar) ins Maul gelegt zu bekommen. Irgendwie ziemlich traurig.


Aber ich klinge schon wieder zu negativ. Australien hat echt tolle Sachen zu bieten: Strände zum Surfen (ich hab mir ein Bodyboard gekauft), Sanddünen mit pittoresken Paraglidern im Hintergrund, hunderte Nationalparks, Berge zum Besteigen, Aldi (Aahh, billige Heimatgefühle :) )...





Bis jetzt gefällt mir die Landschaft zwar Neuseelands noch etwas besser, aber ich hab ja auch erst einen winzigen Bruchteil Australiens gesehen. Und manche Highlights, wie der Girraween National Park mit seinen riesigen Granitkugeln, hab ich in NZ noch nicht gesehen.




Außerdem hat Australien die coolere Tierwelt: Endlich hab ich die Nationaltiere gesehen. Bei der ersten Begegnung mit Kängurus auf einem Campingplatz waren sie noch sehr scheu und sind weggehoppelt, sobald ich mich genähert hab. Auf einem anderen Campingplatz dagegen waren sie an Menschen gewöhnt und hatten gar keine Angst. Manche zu wenig: Die meisten haben mich auf ca. einen Meter herankommen lassen, bevor sie die Flucht ergriffen haben. Ein etwas grösseres Exemplar ist allerdings stehen geblieben, hat mich böse angeguckt und geknurrt. Aber, haha, was soll ein Känguru denn bitte machen? Mich boxen? :D Als ich dann noch 50 cm entfernt war, hat es sich aufgerichtet und mich auf die mir vorher unbekannte Tatsache aufmerksam gemacht, dass Kängurus 2-3 cm lange spitze Krallen haben. Ich hab mich freundlich für den Hinweis bedankt und dann lieber selber den Rückzug angetreten...






Ansonsten ist die Tierwelt von Australien aber deutlich weniger gefährlich als man immer hört. Zumindest schlussfolgere ich das daraus dass
1) Ich noch lebe
2) Man sehr selten Warnschilder bzgl Tieren sieht. Denn vor allen anderen Gefahren wird man stets eindringlich gewarnt: In den Bergen: "Falling Rocks are dangerous". Im Wald: "Fallende Tannenzapfen können zu Verletzungen führen". "Dieser See könnte blau-grüne Algen enthalten, die zu Unwohlsein führen könnten". "Heisser Sand kann Verbrennungen an den Füßen verursachen"... Wenn es irgendwas in den Wäldern gäbe, was mir auch nur ein Haar krümmen könnte, wäre der Bereich vermutlich weitläufig abgeriegelt oder es bestände Helmpflicht. Andererseits hat mich niemand von den Kängurus gewarnt, hm...
Sieht gefährlich aus, was?

Jaha, da gehts ja auch mal mindestens 1,50m tief leicht schräg nach unten!

Apropos Tiere: Ich hab schon Kängurus, Wallabies, Eidechsen und Riesenzikaden, die sich leider nicht eine Prinzessin verwandeln wenn man sie küsst, aber immer noch keine Koalas gesehen!
Dafür aber fast schon ins Tierreich gehörende Althippies in der Kifferhauptstadt Nimbin, die nach einem Festival 1973 da hängengeblieben sind. Das war echt mal was anderes: Ein Museum zu den Themen Geschichte der Stadt, Weisheit der Aborigines und der Aliens, warum die Amerikaner böse sind, und warum Marihuana legalisiert werden sollte (Nach den Typen die da auf der Straße rumhingen bin nicht überzeugt). Außerdem das übliche Angebot an Läden für Batikklamotten, Kifferzubehör, esoterische Literatur und Fair gehandelter bio-veganen Kuchen aus Mondkalenderanbau.


Achja, und die rote Mütze durfte auch wieder was erleben: eine Klippensprung! ("Warning: Jumping into the rock pools can cause severe injuries or death")

3 Kommentare:

  1. YEAH, und ich habe mich schon gefragt, ob Du die Mütze gegen irgendwas eintauschen musstest?!

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  2. Ne, nur wenn ich alleine reise, gibt's nicht so viele Fotos von mir. Gottseidank hab ich die Mütze noch nicht verloren, ansonsten musste ich schon ungefähr die Hälfte meiner Ausrüstung nachkaufen. Man hats nicht leicht als Gedächtnis-Invalide.
    Warum sind eigentlich so viele Kommentare hier anonym? Es ist ziemlich seltsam, jemandem zu antworten, von dem ich zwar weiß dass ich ihn kenne, aber nicht weiß wer es ist :D

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